Archiv für März 2010
Wir unterstützen: love sport – hate neonazism
Ob Aerobic, Nordic Walking, Schach, Basket- oder Fußball: Sport erfreut sich in Deutschland großer Aufmerksamkeit und Beliebtheit. Er wird von der Gesellschaft gefördert und für die Gesundheit gefordert. Jugendliche werden angehalten, statt den ganzen Tag vor Fernseher und Computer zu verplämpern, lieber ihre müden Knochen zu bewegen. Und dies hat auch einen guten Grund: Vor allem in den unterschiedlichsten Teamsportarten wird mit anderen Menschen interagiert und so Gesellschaft im Kleinen gelebt. Gerade deshalb eignet sich Mannschaftssport hervorragend um die gesellschaftliche Integration und politische Willensbildung zu fördern.Natürlich kann es aber auch eine gegensätzliche Tendenz annehmen. Dann werden Stadien und Sportplätze zum Kundgebungsort für rassistische Verunglimpfungen, homophobe Schmähungen, antisemitische Sprechchöre oder anderer Spielarten von Diskriminierungen. In Extremfällen kommt es gar zu brutalen Angriffen von Neonazis und Stammtischrassisten auf Spieler oder Fans, wie zum Beispiel in den letzten Jahren geschehen bei Spielen der Vereine TUS Makkabi Berlin, Roter Stern Leipzig oder Tennis Borussia Berlin.
Die Öffentlichkeit reagiert reflexhaft bei jedem dieser Angriffe mit verbalen Trostpflastern. Langfristige Konsequenzen folgen jedoch kaum oder versanden in der bundesdeutschen Bürokratie. Nach ein paar Tagen, höchstens Wochen, ist das Thema erledigt und die Normalität von Wegschauen und Mitmachen ist wieder Herr der Lage. Vor den Schiedsgerichten der regionalen Fußballverbände erleben die angegriffenen Vereine wie jedes Mal ein juristischer Eiertanz um das Urteil aufgeführt wird, an deren Ende in der Regel dann steht, dass die in den Regularien vorgesehenen harten Strafen kaum oder gar nicht umgesetzt werden.
Mit dieser Realität wollen wir uns nicht mehr abfinden. Es ist an der Zeit diesen Zustand von ganz unten aufzurollen. Als Sportvereine und Faninitiativen sehen wir uns in der Pflicht, ebenso wie in der Lage, gegen jede Art von Diskriminierung auf und neben dem Sportplatz offensiv Stellung zu beziehen. Aber statt der üblichen großen Transparente mit den hübschen Absichtserklärungen sind vor allem mehr nachhaltige Initiativen im Jugendbereich gefordert. Darauf wollen wir uns, gemeinsam mit unseren Bündnispartnern, in den nächsten Jahren konzentrieren. Kontinuität ist die beste Antwort auf die tieffliegenden Eintagsfliegen der Presse.
Und, statt uns ständig mittels verwaltungsrechtlicher Gebaren Steine in den Weg zu legen, sollten die lokalen Behörden endlich einmal begreifen, dass zivilgesellschaftliches Engagement im Sportbereich eine der besten Präventivmassnahmen gegen Diskriminierungen jeglicher Art ist. Genau aus diesem Grund muss zum Beispiel die Platzvergabe nicht nur an dem Erfolg und der Größe des Vereins, sondern auch an dem zivilgesellschaftlichen Engagement festgemacht werden. Dies ist eine der Hauptgrundlage um unsere (Jugend-)Arbeit weiter erfolgreich organisieren zu können.
Doch damit nicht genug. Zusammengefasst fordern wir von den zuständigen Sportfachverbänden, dem DFB, der DFL und der überregionalen und lokalen Politik ein komplettes Maßnahmenpaket:
Urteilssprechung: Die Einhaltung der eigenen Regularien von den Fußballlandesverbänden zu fordern klingt verdammt komisch, ist aber dringend notwendig. Und zwar seitdem Schiedsgerichte nicht nur einmal jenen Vereinen, die von Rassisten bzw. Neonazis während eines Spiels angegriffen wurden, Nachholspiele aufs Auge gedrückt haben, statt die Partien, wie in den Regeln festgeschrieben, zugunsten dieser zu werten.
Platzvergabe: Bei der Vergabe von Platz- und Hallenzeiten darf nicht nur der Erfolg und die Masse der Mitglieder ausschlaggebend sein. Daher fordern wir, dass die Platzordnungen und Sportanlagennutzungsverordnungen um einen Passus zur Förderung von Sportvereinen erweitert wird, die zivilgesellschaftliche Standards umsetzen und sich dem Engagement gegen Diskriminierung widmen.
Raumvergabe in öffentlichen Einrichtungen: Derzeit ist es so, dass organisierte Gruppen von Jugendlichen und jungen Erwachsenen für die Nutzung von staatlichen Räumlichkeiten, wie zum Beispiel Jugendclubs, Geld bezahlen müssen. Sich selbst organisierende Menschen werden dadurch extrem benachteiligt. Das ist so keineswegs hinnehmbar!
Politische Symbolik in Stadien: Unverständlich ist, dass Transparente und Zaunfahnen, die sich gegen Diskriminierung und Neonazismus richten aus den Stadien verbannt wurden und werden. Diese politischen Symbole dürfen nicht verboten werden, sondern sollten eine willkommene Botschaft für ein solidarisches Miteinander sein.
Kollektive Stadionverbote: Am 30. Oktober 2009 hat der BGH beschlossen, dass Stadionverbote auf Verdacht rechtmäßig sind. Solch eine kollektive Sippenhaft ist ein nicht hinzunehmender Verstoß gegen die individuellen Grundrechte eines jeden Bürgers und steht einer demokratischen Gesellschaft äußerst schlecht zu Gesicht.
Die Kampagne ist eine Reaktion der Roten Stern Vereine auf rassistische Verunglimpfungen, homophobe Schmähungen, antisemitische Sprechchöre oder anderer Spielarten von Diskriminierungen in Stadien, Hallen und auf Sportplätzen im Allgemeinen. Sowie speziell auf die brutalen Angriffen von Neonazis und Stammtischrassisten auf Spieler oder Fans, wie zum Beispiel in den letzten Jahren geschehen bei Spielen der Vereine Roter Stern Leipzig,Halle und Lübeck.
Keine Träne für Chemnitz und Nirgendwo!
Am Freitag den 5. März jährt sich die Bombardierung von Chemnitz durch die Alliierten.
Wie schon oft versuchen rechte Kräfte ein solches Ereignis für die Verbreitung ihrer menschenverachtenden Ideologie zu vereinnahmen. Unter dem Deckmantel der Trauer um die Deutschen Opfer des Bombenangriffes der Alliierten, versuchen die Nazis auch an diesem Wochenende einen sogenannten ”Trauermarsch” in Chemnitz durchzuführen.
Unter dem Motto “Opfer statt Täter” wird der Bevölkerung, welche den Nationalsozialismus mittrug, eine Opferrolle auferlegt. Damit wir versucht, ein geschichtsrevisionistisches Bild zu erschaffen und sich jeder Schuld am Zweiten Weltkrieg und der Shoa zu entziehen. Dieses unreflektierte Verhalten stellt sich gegen jede historische Verantwortung und ist daher absolut inakzeptabel. Denn nur wer sich mit der Geschichte auseinandersetzt, kann auch aus ihr lernen.
Bereits am 13. Februar versuchten ~5000 Neonazis in Dresden, dem Jahrestag der Bombardierung zu gedenken. Nur ein breites Antifaschistisches Bündnis ermöglichte es, den größten Neonaziaufmarsch Europas zu verhindern. Allerdings machen die Vorkommnisse in Dresden eines deutlich: Ziviler Ungehorsam, in Form einer Blockade, zahlt sich aus und führt zu Erfolg. Diese Erfahrung gilt es auch dieses Wochenende wieder umzusetzen.
Da sowohl das geschichtsrevisionistische Denken als auch die menschenverachtende Ideologie der Neonazis absolut inakzeptabel sind, ist es die Aufgabe eines jeden, am Freitag Courage zu zeigen und gegen die braune Brut auf die Straße zu gehen.
Wir fordern daher jeden auf, sich am Freitag unter folgendem Motto in Chemnitz der braunen Brut entgegenzusetzen: Wie in Dresden auch in Chemnitz. Chemnitz bleibt Nazifrei!
Die Initiative ”Piraten gegen Rechtsextremismus” unterstützt aus diesen Gründen das Chemnitzer Bündnis für Frieden und Toleranz und ruft öffentlich dazu auf, den Nazis entgegenzutreten, spricht sich dabei allerdings auch klar gegen unreflektierten und revisionistischen Umgang mit historischen Fakten (der Geschichte) aus.
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Infos zu Gegenaktionen
Infotelefon: 01578 19 19 159
Ermittlungsausschuss: 0163 26 92 322
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